Ein wesentlicher Faktor für eine funktionierende Supply-Chain ist die eindeutige Identifikation von Geschäftspartnern, Handels­einheiten und Ladungsträgern. Anstatt natürlich­sprachliche Bezeichnungen zu verwenden, werden bei IT-gestützten Prozessen hierfür Codes verwendet.

Gerade in der Automobil­industrie fehlte es in der Vergangenheit an diesen eindeutigen Codes. ODETTE ist angetreten um dies mit Hilfe der ODETTE-IDs zu ändern.

Eindeutige Identifikation im Rahmen einer Supply-Chain

Um eine durchgängig automatisierte Supply-Chain zu betreiben, ist neben der Vernetzung der beteiligten Partner vor allem die eindeutige Identifikation der beteiligten Produkte und Geschäftspartner wichtig.

Bilateral vereinbarte Identifikationsnummern sind dabei schlecht geeignet, da keine weltweite Über­schneidungs­freiheit garantiert ist, sollten die Nummern außerhalb der Prozesse der zwei beteiligten Geschäfts­partner verwendet werden.

Im Bereich des Handels hat die GS1 mit dem GS1-­Nummern­system ein weltweit akzeptiertes System geschaffen, das auf GLNs, GTINs und SSCCs basiert. Damit können Geschäftspartner (GLN), Produkte (GTIN) und Ladungs­träger (SSCC) eindeutig und weltweit überschneidungsfrei identifiziert werden.

Im Gegensatz zum Handel ist die Automobilindustrie hier teilweise noch nicht so gut organisiert. Zum Teil wird eine Mischung aus GS1-Nummern und selbst vergebenen Produkt- und Unternehmens­codes verwendet. Dies führt dazu, dass die beteiligten Unternehmen große Datenbanken pflegen müssen, um die einzelnen Codes ihrer Zulieferer und Vorlieferanten zu verwalten. Zusätzlich ist keine weltweite Über­schneidungs­freiheit, wie bei GS1-Nummern, garantiert.

Gestiegene Anforderungen im Bereich der Automobilindustrie

Automobilhersteller, Zulieferer und Abnehmer sehen sich mit steigenden Anforderungen im Hinblick auf die eindeutige Identifikation von Geschäfts­partnern und Produkten und Produktteilen konfrontiert.

So ist beispielsweise eine durchgehende Nach­verfolgbarkeit von einzelnen Teilen wünschens­wert. Damit kann im Falle von fehlerhaften Teilen sehr schnell nachvollzogen werden, was wo und wie verbaut wurde (in Verbindung mit Chargen­angaben).

Zusätzlich setzen sich neue Arten der Identifikation, wie beispiels­weise RFID, immer mehr durch. In der folgenden Abbildung ist die Identifikationsnummer 85786 005026 285786 005 auf der rechten Seite als Strichcode dargestellt. Damit ist die Nummer für optische Erfassungsgeräte, wie beispielsweise Handscanner, lesbar. Zusätzlich kann die Nummer in einem RFID-Chip gespeichert werden (dargestellt auf der linken Seite), wodurch die Nummer vollautomatisch und berührungslos mit Hilfe eines RFID-Scanners erfasst werden kann.

Beispiel für einen RFID-Scanner

Beispiel für einen RFID-Scanner

Der Einsatz von Strichcodes und RFID-Chips ist jedoch nur dann möglich, wenn die darin kodierte Nummer weltweit eindeutig und überschneidungsfrei ist. In der Vergangenheit fehlte ein Ansatz zur eindeutigen Nummernvergabe im Bereich der Automobil­industrie.

ODETTE hat auf dieses Problem reagiert und das OSCAR-System ins Leben gerufen.

Was ist OSCAR

OSCAR steht für Odette System for Coding and Registration und besteht aus zwei Kernbausteinen.

  1. Eine Vergabeorganisation, welche eindeutige Codes für Unternehmen vergibt.
  2. Ein Informationsservice, über welches jederzeit die aktuellen Informationen über die registrierten Unternehmen und deren Entitäten abgerufen werden können.

Das System ist speziell auf die Anforderungen der Automobil­industrie zugeschnitten.

Anwendungsgebiete sind dabei:

  • Teileproduktion für die Automobilindustrie
  • Eindeutige Identifikation von Ladungsträgern
  • Eindeutige Identifikation von Ladungseinheiten entlang der Supply-Chain
  • Eindeutige Identifikation von Abladestellen
  • Eindeutige Identifikation von Teilnehmern im Rahmen des elektronischen Datenaustausches

ODETTE-ID

Die im Rahmen von OSCAR vergebene ID heißen ODETTE-ID. Teilweise wird auch der synonyme Begriff OSCAR Code verwendet.

ODETTE-IDs bestehen aus vier alphanumerischen Zeichen, anhand derer Unternehmen identifiziert werden können. Zusätzlich können zwei weitere alphanumerische Zeichen angehängt werden, um Subeinheiten des Unternehmen zu identifizieren. Subeinheiten können beispielsweise die Einkaufsabteilung, aber auch eine eigene Abladestelle im Automobilwerk sein.

Eine ODETTE-ID wird zusammen mit einem Unternehmens­datensatz im OSCAR-System gespeichert. Anhand einer ODETTE-ID kann man als registrierter OSCAR-Benutzer daher sehr einfach die Unternehmensdaten von anderen Unternehmen aus dem OSCAR-System abfragen.

Ein Beispiel für eine ODETTE-ID wäre: AO12

Will man auf Basis der ODETTE-ID eine eindeutige Nummer für ein Transportlabel vergeben, so könnte eine Beispielnummer wie folgt aussehen:

ODAO12 A1B2C3D4E

Dabei steht:

  • OD für ‘ODETTE’. Die Konstante OD am Anfang des Transportlabels gibt an, dass es sich um ein Label auf Basis einer ODETTE-ID handelt.
  • A012 ist die ODETTE-ID.
  • A1B2C3D4E ist eine vom Unternehmen vergebene, fortlaufende Nummer.

Wie komme ich zu einem ODETTE-ID?

Um eine ODETTE-ID zu bekommen, muss zuerst eine Registrierung auf der OSCAR-Webseite durchgeführt werden. Nach der erfolgten Registrierung können ODETTE-IDs gekauft werden. Das OSCAR-System ist unter der Adresse https://oscar.odette.org erreichbar.

Screenshot der OSCAR-Webseite

Screenshot der OSCAR-Webseite

Aktuell werden die folgenden ODETTE-ID-Typen angeboten:

Full OSCAR Code

Der Full OSCAR Code kann für jede Art von Identifikation verwendet werden. Zusätzlich können Subcodes registriert werden, ohne dass zusätzliche Kosten anfallen.

OFTP Code

OFTP-Codes können nur für die Identifikation von Sender/Empfänger im Rahmen des elektronischen Datenaustausches mit OFTP verwendet werden.

Noch Fragen zum Einsatz von OSCAR?

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