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Die Rolle von X.400 im elektronischen Datenaustausch (EDI)

Was ist eigentlich X.400?

In unserer Reihe zu EDI-Grundlagen werfen wir heute einen Blick auf den X.400-Standard. Auf die Frage "Was ist eigentlich X.400?" lautet die einfache Antwort "Ein Protokoll zur Nachrichtenübermittlung – im Prinzip sehr ähnlich zu E-Mail, allerdings nicht über das Internet, sondern über ein eigenes, dediziertes Netzwerk."

Ja, obwohl in der heutigen Zeit kaum mehr vorstellbar, existieren noch andere Netzwerke parallel zum Internet. Im B2B-Bereich werden diese Netze auch oft Value Added Networks (VAN) genannt – das X.400-Netzwerk ist dabei wohl das bekannteste.

Ein kurzer Rückblick…

Bevor wir nun auf die technischen Details eingehen, drehen wir die Uhr einmal ein wenig zurück: Vor 30 Jahren, im Jahr 1984, wurde von der Comité Consultatif International Téléphonique et Télégraphique (CCITT), heute International Telecommunication Union (ITU), X.400 erstmals als Standard verabschiedet. 1988 erfolgte dann eine Erweiterung des X.400-Standards. Auch heute ist diese Unterscheidung noch bemerkbar, da manche (Teil-)Netze noch auf dem alten IPM84 (IPM steht für Interpersonal Messaging Standard, 84 für das Jahr 1984) basieren. Diese sind aber zum Glück weitgehend kompatibel zu den "neueren" IPM88-Netzwerken.

Die Namensgebung IPM deutet schon darauf hin, dass X.400 anfänglich als generelles Mail bzw. Messagingsystem positioniert werden sollte. Zur gleichen Zeit wurde auch bereits im Rahmen der Internet Protokolle an einem E-Mail-System gearbeitet. Die damals entwickelten Protokolle SMTP, POP und IMAP haben sich – durch die Etablierung des Internets in unserem täglichen Leben – in den späten 1990er Jahren dann als globale Standards für interpersonal messaging, sprich E-Mail durchgesetzt. Wie wir später noch sehen werden, sind X.400 und Internet E-Mail (d.h. SMTP/POP/IMAP) in ihrer Topologie bzw. Funktionsweise relativ ähnlich. Jedoch gilt X.400 – nicht zuletzt aufgrund zusätzlicher Funktionalitäten – als deutlich komplexere Protokollfamilie.

Während also X.400 im interpersonal messaging Bereich komplett durch Internet E-Mail verdrängt wurde, konnte es sich zur Übermittlung von EDI-Nachrichten ein Nischendasein sichern. In Deutschland wird der Zugang zum X.400-Netz unter dem Namen BusinessMail X.400 – früher Telebox oder Telebox400 – von der Deutschen Telekom vertrieben. Oftmals wird daher auch der Begriff Telebox heute noch als Synonym für eine X.400-Mailbox verwendet. Neben AS2 ist X.400 heute das meistgenutzte Protokoll zur Übermittlung von EDI-Nachrichten. Während AS2 noch nicht von jedem Unternehmen zur Übermittlung von EDI-Nachrichten angeboten wird, kann die Akzeptanz von X.400 zum Austausch von EDI-Daten als sehr hoch bezeichnet werden.

Aufgrund der nicht zu verachtenden Kosten für die Übermittlung von X.400-Nachrichten – die Deutsche Telekom rechnet heute noch in Kilobyte ab (!) – werden bei mittlerem bis hohen Nachrichtenaufkommen AS2-Verbindungen immer mehr nachgefragt. Um auch bei niedrigem Nachrichtenaufkommen X.400-Kosten zu sparen, bietet sich auch für KMUs die Entscheidung für einen EDI-Dienstleister/Provider als Partner für die EDI-Optimierung an. In einem späteren Blogpost beleuchten wir diese Fragestellung noch im Detail. Zunächst wollen wir aber ein paar Einblicke in den technischen Aufbau und die Funktionsweise von X.400 geben.

Aufbau von X.400 Netzen

Wie auch bei Internet E-Mail erfolgt bei X.400 die Kommunikation über Mailboxen. Eine X.400-Mailbox wird von einem Message Store (MS) verwaltet und durch eine Adresse eindeutig identifiziert. Nachrichten werden über sogenannte Message Transfer Systems (MTS) bzw. Message Transfer Agents (MTA) zu einer Mailbox übermittelt. Benutzer greifen mittels User Agents – d.h. einer Clientsoftware – auf ihre X.400-Mailbox zu. Die nachfolgende Abbildung gibt einen vereinfachten Überblick über die Topologie von X.400-Netzwerken.


X.400 Netzwerk Topologie
X.400 Netzwerk Topologie

X.400 hat eine zweistufige Domänenstruktur: Eine ADMD ist ein sogenannter öffentlicher Versorgungsbereich. ADMDs werden üblicherweise von Telekommunikations­unternehmen betrieben – wie zum Beispiel der Deutschen Telekom. In einem Land können mehrere ADMDs existieren. Eine PRMD ist ein sogenannter privater Versorgungsbereich und ist dazu gedacht, dass sie zwecks besserer Organisation selbstständig von Unternehmen verwaltet wird. Die Unterscheidung von ADMDs und PRMDs ist heutzutage ein interessantes technisches Detail am Rande – spielt jedoch in der Praxis kaum mehr eine Rolle. Eine Firma betreibt heute meistens eine einzige X.400-Mailbox zum Austausch von EDI-Nachrichten bzw. einige wenige falls es ein Großunternehmen ist und eine funktionale Trennung (z.B. Bestell- und Rechnungsprozesse) vorliegt.

Adressierung im X.400-Netzwerk

Jede X.400-Mailbox wird durch eine eindeutige Adresse – so wie bei Internet E-Mail – eindeutig identifiziert. X.400-Adressen sind dabei semantisch ähnlich strukturiert wie SMTP E-Mail-Adressen, sind aber etwas komplexer in der Notation und auch oft länger. Sehen wir uns zur Erklärung der Attribute einer X.400-Adresse und wie diese zu lesen sind, das folgende Beispiel an

G=Max; S=Mustermann; O=Musterfirma; OU=Einkauf; A=X400EXAMPLE; C=AT

Diese Beispieladresse würde die X.400-Mailbox von Max Mustermann, tätig im Einkauf bei Musterfirma, identifizieren. Die Mailbox wäre direkt in der österreichischen ADMD X400EXAMPLE gehostet – ohne Verwendung einer PRMD. Die in diesem Beispiel verwendeten Attribute

  • C (Country name)
  • ADMD (Administration Management Domain)
  • O (Organization name)
  • OU (Organizational Unit Names)
  • G (Given name)
  • S (Surname)

werden in X.400 Adressen sehr häufig genutzt. Einen detaillierteren Überblick über die Adressierung im X.400-Netzwerk geben der RFC 1685 oder auch Harald T. Alvestrand’s X.400 Website (aus dem Jahr 1995 🙂
Die Deutsche Telekom verwendet in Ihrem X.400-Netzwerk (VIAT) zusätzlich noch die Attribute CN (Common Name) und n-id (User Agent Numeric ID). Die Verwendung dieser Attribute kann bei Adressierung aus/in ein älteres IPM84-Netzwerk (z.B. MARK400) zu Problemen führen. Der einfachste Workaround ist diese Attribute einfach wegzulassen – die eindeutigte Identifzierung der X.400-Mailbox im VIAT Netzwerk kann auch ohne CN und n-id erfolgen (sofern die Parameter G und S verwendet werden).

Bestätigung des Nachrichtenerhalts

Ein Feature von X.400 – das bei Übertragung von EDI nahezu unerlässlich ist – ist die Benachrichtigung des Senders über den erfolgreichen Erhalt einer Nachricht. X.400 kennt dabei zwei Typen von Benachrichtigungen.

  • Delivery Notification (DN): wird vom Server, der die Nachricht in die Mailbox des Empfängers legt, generiert und an den Sender MTA übermittelt. Das heißt die Bestätigung wird vom Server (auf dem die X.400-Mailbox gehostet ist) generiert und an den Sender übermittelt. Das negative Pendant zur DN ist die sogenannte Non-delivery Notification (NDN) und wird im Fehlerfall an den Sender übermittelt
  • Receipt Notification (RN): kann von der Clientsoftware des Empfängers generiert werden und wird an den Sender übermittelt – in der Praxis wird die RN in der automatisierten Übertragung kaum angefordert bzw. unterstützt. Das negative Pendant zur RN ist die Non-receipt notification (NRN).

Die Abfolge wird in der nachfolgenden Grafik beispielhaft dargestellt.


Notifications bei X.400
Notifications bei X.400

Obwohl in der Praxis die Receipt Notification (RN) kaum eine Bedeutung hat, kann mit dem Erhalt der Delivery Notification (DN) bereits davon ausgegangen werden, dass das EDI-System des Empfängers die Nachricht – zumindest auf einer technischen Ebene – erhalten hat. Über eventuelle Verarbeitungsprobleme der Nachricht wird der Sender dann zumeist über E-Mail oder Telefon unterrichtet.

Bedeutung von X.400 für EDI heute

Des Öfteren wurde bereits das Ende von X.400 im Bereich der EDI-Nachrichtenübertragung – nicht zuletzt aufgrund der hohen Kosten – prophezeit. Doch X.400 ist nach wie vor aus dem EDI-Bereich nicht wegzudenken. Neben dem – gerade im EDI vorherrschenden – Prinzip Never touch a running system sind neben der großen Verbreitung vor allem die Sicherheitsaspekte ein Pluspunkt von X.400: Das X.400-Netzwerk ist ein eigenes Netzwerk, physisch vom Internet getrennt. Jeder Teilnehmer im X.400-Netzwerk ist authentifiziert, was das Missbrauchspotential gegenüber SMTP/E-Mail auf ein Minimum reduziert.

Im einem der nächsten Blogposts gehen wir auf verschiedene Möglichkeiten ein, auf eine X.400-Mailbox zuzugreifen.
Dabei werden wir auch verschiedene technische Ansätze beleuchten, um den Nachrichtenaustausch über X.400 möglichst nahtlos
in das eigene Warenwirtschafts- bzw. ERP-System zu integrieren. Dies stellt insbesondere kleine und mittlere
Unternehmen oft vor Herausforderungen. Daher werden wir auch erklären, welche Rolle der EDI-Dienstleister spielen kann,
damit der EDI-Datenaustausch auch für KMUs einfach und kostengünstig wird. Kontaktieren Sie uns wenn Sie eine X.400 Mailbox für Ihren EDI-Datenaustausch nutzen möchten oder auch wenn Sie Ihre bestehenden X.400-Kosten senken möchten.

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