Wer nach der E-Rechnung-Strafe sucht, erwartet eine Zahl. Die gibt es – bis zu 5.000 Euro nach dem Umsatzsteuergesetz. Nur greift dieses Bußgeld seltener, als viele annehmen, und es ist bei Weitem nicht der teuerste Posten.
Das größere wirtschaftliche Risiko liegt in möglichen Verzögerungen oder Einschränkungen beim Vorsteuerabzug, in Verstößen gegen die Aufbewahrungspflichten und in operativen Problemen, wenn Geschäftspartner nicht konforme Rechnungen zurückweisen.
TL;DR: E-Rechnung-Strafen und Folgen im Überblick
- Bußgeld: Bis zu 5.000 Euro nach § 26a UStG – allerdings für eine nicht oder verspätet ausgestellte Rechnung, nicht ausdrücklich für das falsche Format.
- Vorsteuerabzug: Eine nicht ordnungsgemäße Rechnung kann den Vorsteuerabzug zunächst gefährden oder verzögern. Ob der Abzug tatsächlich versagt wird, hängt vom konkreten Fehler, einer möglichen
- Rechnungsberichtigung und den zusätzlich verfügbaren Nachweisen ab.
- Aufbewahrung: Der strukturierte Datensatz muss acht Jahre unverändert vorgehalten werden. Ein Ausdruck genügt nicht.
- Fristen: Empfangen müssen alle seit Januar 2025. Ausstellen müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz ab 2027, alle übrigen ab 2028.
- Operatives Risiko: Abgelehnte oder technisch nicht verarbeitbare Rechnungen können Freigabe, Verbuchung und Zahlung verzögern. Im Einzelfall können daraus auch vertragliche Konflikte oder Schadensersatzforderungen entstehen.
Gibt es überhaupt eine gesetzliche E-Rechnung-Strafe?
Ja, aber sie zielt auf etwas anderes, als die meisten vermuten. § 26a Absatz 2 des Umsatzsteuergesetzes ahndet es als Ordnungswidrigkeit, wenn eine Rechnung gar nicht oder nicht rechtzeitig ausgestellt wird – konkret nicht innerhalb von sechs Monaten nach der Leistung. Den Bußgeldrahmen nennt Absatz 3: Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße von bis zu 5.000 Euro geahndet werden. Bei mehreren betroffenen Rechnungen hängt die konkrete Bewertung und Bemessung vom Einzelfall und von der Entscheidung der zuständigen Behörde ab.
Das Umsatzsteuergesetz enthält keinen ausdrücklich nur an das falsche Rechnungsformat anknüpfenden Bußgeldtatbestand. Nach Ablauf der Übergangsfristen erfüllt eine Papier- oder einfache PDF-Rechnung die Pflicht zur Ausstellung einer E‑Rechnung grundsätzlich nicht. Ob und unter welchen Umständen daraus auch ein Bußgeld nach § 26a UStG folgt, ist rechtlich nicht abschließend geklärt und hängt von der behördlichen Bewertung des Einzelfalls ab.
Praktisch bedeutet das: Wer sich fragt, ob sofort ein Bußgeldbescheid droht, kann vorerst durchatmen. Wer daraus ableitet, Verstöße blieben folgenlos, irrt allerdings, denn die relevanten E-Rechnung-Sanktionen stehen an ganz anderer Stelle.
E-Rechnung-Fristen und -Übergangsfristen: ab wann Verstöße möglich sind
Ein Verstoß setzt voraus, dass die Pflicht bereits gilt. Genau hier liegt das größte Missverständnis, denn Empfang und Versand haben unterschiedliche Stichtage. Die Grundlagen dazu hat der Gesetzgeber im Wachstumschancengesetz gelegt.
| Zeitraum | Empfangen | Ausstellen |
| seit 01.01.2025 | Pflicht für alle inländischen Unternehmen | freiwillig |
| bis 31.12.2026 | Pflicht | Papier und PDF mit Zustimmung des Empfängers weiter zulässig |
| ab 01.01.2027 | Pflicht | Pflicht bei mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz |
| ab 01.01.2028 | Pflicht | Pflicht für alle inländischen B2B-Umsätze |
Die gesetzlichen E-Rechnung-Übergangsfristen betreffen im Wesentlichen die Ausstellung und Übermittlung von Rechnungen. Inländische Unternehmer müssen seit dem 1. Januar 2025 in der Lage sein, E‑Rechnungen zu empfangen. Dafür kann grundsätzlich bereits ein E‑Mail-Postfach ausreichen. Eine Verpflichtung zur vollständig automatisierten Weiterverarbeitung ergibt sich daraus nicht; für effiziente und sichere Rechnungsprozesse ist eine strukturierte Verarbeitung jedoch sinnvoll.
Dauerhafte Ausnahmen von der Pflicht zur Ausstellung einer E‑Rechnung gelten insbesondere für Kleinbetragsrechnungen bis 250 Euro, Fahrausweise und Leistungen von Kleinunternehmern nach § 19 UStG. Auch Umsätze an private Endverbraucher sowie bestimmte steuerfreie Leistungen fallen nicht unter die inländische B2B-E‑Rechnungspflicht. Welche Konstellationen sonst noch eine Rolle spielen, zeigt unser Überblick zur E-Rechnungspflicht für Unternehmen.
Die teuerste Folge der Nichteinhaltung: der Vorsteuerabzug
Hier entscheidet sich, was eine nicht konforme Rechnung wirklich kostet. Das Bundesfinanzministerium hat mit Schreiben vom 15. Oktober 2025 klargestellt, dass bei hybriden Formaten allein der strukturierte Datensatz maßgeblich ist. Das lesbare PDF dient nur der Anzeige. Das BMF unterscheidet zwischen Formatfehlern, Geschäftsregelfehlern und inhaltlichen Fehlern:
Formatfehler: Erfüllt eine Datei nicht die Anforderungen an das vorgeschriebene strukturierte Format, gilt sie umsatzsteuerlich als sonstige Rechnung. Besteht bereits eine Pflicht zur Ausstellung einer E‑Rechnung, ist sie grundsätzlich keine ordnungsgemäße E‑Rechnung.
Geschäftsregelfehler: Validatoren können technische oder logische Widersprüche melden. Nicht jeder dieser Fehler ist steuerlich relevant. Entscheidend ist, ob umsatzsteuerrechtlich erforderliche Angaben betroffen sind. Beispielsweise kann eine fehlende Buyer Reference technisch beanstandet werden, ohne dass dies automatisch den Vorsteuerabzug ausschließt.
Inhaltliche Fehler: Fehlen erforderliche Rechnungsangaben nach §§ 14 und 14a UStG oder sind diese falsch, kann der Vorsteuerabzug zunächst nicht oder nur eingeschränkt möglich sein.
Eine fehlerhafte Rechnung führt jedoch nicht zwangsläufig zu einem endgültigen Verlust der Vorsteuer. Abhängig vom Einzelfall kann die Rechnung berichtigt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen können die materiellen Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs außerdem durch ergänzende Nachweise belegt werden.
Bei einer Eingangsrechnung über 50.000 Euro netto beträgt die ausgewiesene Umsatzsteuer bei einem Steuersatz von 19 Prozent 9.500 Euro. Kann dieser Betrag wegen einer fehlerhaften Rechnung zunächst nicht als Vorsteuer geltend gemacht werden, entsteht vor allem ein Liquiditäts- und Prüfungsrisiko. Ein endgültiger finanzieller Verlust tritt nicht automatisch ein.
Bemerkenswert ist die Rollenverteilung: Betroffen ist zunächst der Empfänger, obwohl der Fehler beim Aussteller entstanden ist. Deshalb empfiehlt das BMF ausdrücklich, eingehende Rechnungen zu validieren und das Prüfergebnis zu dokumentieren. Da sich die Anforderungen zwischen XRechnung und ZUGFeRD unterscheiden, lohnt sich der Weg über einen Validator für E-Rechnungen und XML-Dokumente.
Weitere E-Rechnung-Sanktionen: Aufbewahrung und Betriebsprüfung
Ein zweiter Bußgeldtatbestand wird regelmäßig übersehen: Der strukturierte Teil einer E-Rechnung muss acht Jahre in seiner ursprünglichen, unveränderten Form aufbewahrt werden. Wird der ursprüngliche strukturierte Datensatz gelöscht und lediglich ein Ausdruck oder eine daraus erzeugte PDF-Datei aufbewahrt, ist die umsatzsteuerliche Aufbewahrungspflicht grundsätzlich nicht erfüllt. Vorsätzliche oder leichtfertige Verstöße gegen § 14b UStG können nach § 26a UStG mit einer Geldbuße von bis zu 5.000 Euro geahndet werden. Abhängig von der konkreten Archivierung können außerdem die Anforderungen der GoBD betroffen sein.
In einer Betriebsprüfung können fehlende Originaldateien, unvollständige Rechnungen oder nicht nachvollziehbare Verarbeitungsprozesse zusätzliche Rückfragen und Nachweise erforderlich machen. Bei erheblichen Mängeln der Buchführung können weitere steuerliche Konsequenzen entstehen. Ob eine Schätzung zulässig ist, hängt jedoch von Art und Umfang der festgestellten Mängel ab. Wie viel Zeit und Geld in Ihrem Fall dranhängen, lässt sich mit dem E-Rechnungs-Compliance-Rechner grob abschätzen.
Folgen der Nichteinhaltung jenseits des Finanzamts
Die wirtschaftlich spürbarsten Folgen der Nichteinhaltung der E-Rechnungsstellung entstehen oft ganz ohne Behörde. Sobald Ihre Kunden umgestellt haben, weisen deren Systeme nicht konforme Rechnungen automatisch zurück. Die Rechnung gilt dann als nicht gestellt, der Zahlungslauf beginnt erst mit der korrigierten Fassung.
Zusätzlich können Haftungsfragen entstehen. Erleidet ein Kunde aufgrund einer fehlerhaften Rechnung einen nachweisbaren finanziellen Schaden, kommen im Einzelfall vertragliche oder gesetzliche Schadensersatzansprüche in Betracht. Ob ein Anspruch besteht, hängt unter anderem von Pflichtverletzung, Schaden, Kausalität und Verschulden ab.
Was Unternehmen jetzt tun sollten
- Empfang prüfen: Können Sie XRechnung und ZUGFeRD nicht nur entgegennehmen, sondern auch auslesen und weiterverarbeiten?
- Eigene Frist bestimmen: Lag Ihr Vorjahresumsatz über 800.000 Euro, gilt für Sie 2027 – sonst 2028.
- Validierung einführen: Eingangsrechnungen automatisiert prüfen und das Ergebnis dokumentieren, bevor die Vorsteuer gezogen wird.
- Archivierung umstellen: Der XML-Datensatz gehört unverändert ins Archiv, acht Jahre lang.
Stammdaten und Prozesse klären: Wer reklamiert eine abgelehnte Rechnung, und in welcher Frist?
Wer diese Punkte nicht einzeln abarbeitet, sondern die E-Rechnungs-Compliance strategisch aufsetzt, reduziert das Risiko von Bußgeldern, verzögertem Vorsteuerabzug, Prüfungsaufwand und verspäteten Zahlungen erheblich.
E-Rechnung-Strafe richtig einordnen: das Bußgeld ist nicht das Hauptrisiko
Die Frage nach der E-Rechnung-Strafe führt in die Irre, wenn man nur auf das Bußgeld schaut. Bis zu 5.000 Euro nach § 26a UStG sind möglich, treffen aber vor allem die nicht oder verspätet ausgestellte Rechnung. Teurer wird es beim versagten Vorsteuerabzug, bei der achtjährigen Aufbewahrungspflicht und bei Kunden, die nicht konforme Rechnungen zurückweisen. Wer diese drei Punkte im Griff hat, muss sich über eine Strafe bezüglich fehlender E-Rechnungen weniger Sorgen machen.
Wie ecosio Sie bei der E-Rechnung unterstützt
ecosio verbindet Ihr ERP-System über eine einzige Anbindung mit allen relevanten Formaten und Kanälen – von XRechnung und ZUGFeRD im Inland bis zur globalen E-Invoicing-Compliance in weiteren Märkten. Eingehende Rechnungen können automatisiert validiert und ausgehende Rechnungen im jeweils benötigten strukturierten Format erzeugt werden. Die Rechnungsdaten können anschließend an angebundene Verarbeitungs- und Archivierungssysteme übergeben werden.
Sie wollen wissen, wo Ihr Unternehmen steht? Unser Team sieht sich Ihre Rechnungsprozesse an und benennt die Lücken, die in der nächsten Betriebsprüfung teuer werden könnten. Nehmen Sie Kontakt zu uns auf. So lassen sich Risiken rund um fehlerhafte E‑Rechnungen, verzögerte Zahlungen und den Vorsteuerabzug deutlich reduzieren.
FAQ: E-Rechnung-Strafen und Folgen
FAQs
Wie hoch ist die Strafe bei Verstoß gegen die E-Rechnungspflicht?
Das Umsatzsteuergesetz sieht in § 26a ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro vor, wenn eine Rechnung nicht oder nicht innerhalb von sechs Monaten ausgestellt wird. Ein eigener Bußgeldtatbestand allein für ein falsches Rechnungsformat existiert dagegen nicht.
Drohen Sanktionen, wenn ich eine PDF-Rechnung statt einer E-Rechnung verschicke?
Solange die Übergangsfristen laufen und der Empfänger zustimmt, ist das zulässig. Danach ist die Rechnung nicht konform. Ob das unmittelbar ein Bußgeld auslöst, ist juristisch umstritten – der Vorsteuerabzug des Empfängers ist jedoch in jedem Fall gefährdet.
Welche E-Rechnung-Fristen gelten für mein Unternehmen?
Empfangen müssen alle inländischen Unternehmen seit dem 1. Januar 2025. Ausstellen müssen Unternehmen mit mehr als 800.000 Euro Vorjahresumsatz ab dem 1. Januar 2027, alle übrigen ab dem 1. Januar 2028.
Wie lange gelten die E-Rechnung-Übergangsfristen?
Bis Ende 2026 dürfen alle Unternehmen weiterhin Papier- oder PDF-Rechnungen versenden, sofern der Empfänger zustimmt. Für Unternehmen bis 800.000 Euro Vorjahresumsatz verlängert sich diese Möglichkeit bis Ende 2027. Für den Empfang gab es nie eine Übergangsfrist.
Kann das Finanzamt den Vorsteuerabzug wegen einer fehlerhaften E-Rechnung streichen?
Ja. Nach dem BMF-Schreiben vom 15. Oktober 2025 können Formatfehler, Verstöße gegen Geschäftsregeln und fehlende Pflichtangaben den Vorsteuerabzug ausschließen. Betroffen ist zunächst der Empfänger, auch wenn der Fehler beim Aussteller entstanden ist.
Wie lange müssen E-Rechnungen aufbewahrt werden?
Der strukturierte Teil der E-Rechnung ist acht Jahre lang in unveränderter Form aufzubewahren. Ein Ausdruck oder ein PDF genügt nicht, weil bei hybriden Formaten der XML-Datensatz maßgeblich ist.
Welche Folgen hat die Nichteinhaltung außerhalb des Steuerrechts?
Geschäftspartner weisen nicht konforme Rechnungen zunehmend automatisch zurück. Zahlungen verzögern sich, und wenn der Kunde deswegen seinen Vorsteuerabzug verliert, sind Schadensersatzforderungen möglich. Im öffentlichen Auftragswesen ist die E-Rechnung ohnehin Voraussetzung.
Gibt es Rechnungen, die von der Pflicht ausgenommen sind?
Ja. Kleinbetragsrechnungen bis 250 Euro, Fahrausweise und Rechnungen von Kleinunternehmern nach § 19 UStG bleiben ausgenommen, ebenso Umsätze an Privatpersonen und bestimmte steuerfreie Leistungen.